Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni
Pressemitteilung vom 12. Juni 2023
Gewalt in der Pflege ist kein Einzelfall
Diakonie-Beratungsstelle „Pflege in Not“ in Berlin macht auf Problematik aufmerksam: Jeder zehnte Mensch über 60 erleidet Misshandlungen
Berlin – Anlässlich des Welttags gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni sensibilisiert die Berliner Beratungsstelle „Pflege in Not“ für das Thema Gewalt in der Pflege. Jede zehnte Person über 60 Jahren ist laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von psychischer oder körperlicher Gewalt, Diskriminierung oder finanzieller Ausbeutung betroffen. „Gewalt bedeutet nicht nur, dass Personen körperlich verletzt werden“, verdeutlicht Mara Rick, Leiterin der Beratungsstelle „Pflege in Not“, „auch ein grober Ton, ein zu fester Griff, erzwungene Nahrungsaufnahme oder Vernachlässigung sind Formen von Gewalt.“ Manche Pflegebedürftige seien Situationen wie diesen täglich ausgesetzt, unabhängig davon, ob sie zuhause oder in Pflegeeinrichtungen leben.
Eine aktuelle Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), die sich mit Gewalt gegen Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen der stationären Langzeitpflege beschäftigt, zeigt, dass Gewalt in der Pflege kein Einzelfall ist. „In unseren Beratungsgesprächen erfahren wir, wie es zu Gewalt kommen kann“, sagt Mara Rick, „das passiert selten aus böser Absicht. Doch Zeitmangel, zu wenig Personal oder strukturelle Probleme können dazu führen, dass Pflegekräfte an ihre Belastungsgrenzen kommen.“ Aber auch pflegende Angehörige gerieten häufig in Stress- und Krisensituationen, die wiederum Aggressionen verursachen und in Gewalt münden können. „Derzeit wird viel zu wenig über Gewalt im Kontext von Pflege gesprochen“, bemerkt Mara Rick, „Gewaltvolle Situationen werden als Einzelfälle angesehen oder ignoriert.“ Gerade mit Blick auf den demographischen Wandel und die zunehmende Anzahl Pflegebedürftiger müsse sich das dringend ändern.
Hintergrund: Die psychosoziale Beratungsstelle „Pflege in Not“ des Diakonischen Werks Berlin Stadtmitte hat es sich zur Aufgabe gemacht, Konflikte und Gewalt in der Pflege zum Thema zu machen. Pflegebedürftige, pflegende Angehörige, Beschäftigte in der Pflege sowie andere Bezugspersonen haben die Möglichkeit, sich berlinweit kostenfrei und auf Wunsch anonym beraten zu lassen. Neben telefonischer und persönlicher Beratung bietet „Pflege in Not“ Hausbesuche, Vermittlungsgespräche und psychologische Beratung an. Sprechzeiten Montag, Mittwoch, Freitag 10 – 12 Uhr, Dienstag 14 – 16 Uhr und Donnerstag 16 – 18 Uhr; Telefonnummer (030) 69 59 89 89;